schattenlicht

die jungen typen waren schon etwas aufgeregt, ob sie hier auch wirklich richtig waren. wie spät? das ist doch hier der einzige ausgang, oder? stand ja so im netz. die bierflasche in der hand wirkte wie ein abgesprochenes erkennungszeichen. schneller standbein-, spielbein-wechsel, gleich wird getanzt. vor allem jungs, 30 ist schon alt. wieso seh ich aus, als wüsste ich mehr als sie? frechheit!

irgendwann fing’s an zu regnen, ganz leicht. aber bald kam dann ja jemand und malte wie angekündigt kreidepfeile auf den fußweg, vor allem natürlich dort, wo irgendwas den regen schirmte, unter der brücke zum biespiel. ganz leicht zu finden war’s wirklich nicht, aber vielleicht auch nur, wenn man noch keine vor-gänger hat und von irgend woher gebrabbel oder gewummere kommt. der generator, ja klar, war ein sicheres indiz, dass es da zwischen den büschen über die halb abgebrochene mauer ging.

zwei s-bahnbögen, waren in den letzten 50 jahren wohl autowerkstatt und sowas. ein paar teelichte und strahler machten richtig schönes schattenlicht aufs mauerwerk. ansonsten alles schön kahl und einfach wie’s ist. hatte was von einer kapelle, das gewölbe und die symmetrie, das kleine mischpult in der mitte an der wand. zwei klassisch hellgelb gekachelte duschkabinen in der ecke, wo man reinkam, ein kleiner raum voller schutt: seine decke. vorsicht, die eingezogene zwischenwand gibt nach wie eine membram, hoffentlich stolpert da keiner gegen. die zwei hinterm tisch verkaufen bier, der euro für die djs wird auf der hand abgestempelt.

es füllt sich zügig, und jetzt kommen auch mädels, alles ein alter, wie die jungs. die entlegenheit des ortes, seine vielleicht einmalige bestimmung (danach ist er wahrscheinlich “verbrannt”)… wohl deshalb hatte ich andere musik fantasiert als diesen harmlos netten standard, langweilig. oder ich war zu ungeduldig. aber hörkunst zu erwarten, das kam mir jetzt völlig abwegig vor.

das bier war schnell ausgetrunken. kinder, habt ‘ne schöne party! es ist gut zu wissen, dass es solche tatsächlich noch gibt. ja, ich bin älter als 30, denke an anfang der 90er und seufze, mindestens gedanklich. auf dem weg zurück zum bahnhof erkundigt sich einer, der  ausschau hält, wer da so um die ecke kommt, nach unseren fotos, weil – man macht ja eher keine, jedenfalls keine, auf denen was zu sehen ist. keine sorge.

berlin kreuzberg | september 2009 | lichte momente

aus der rubrik hausbesuche, pixel, töne